Wir möchten euch einen Einblick in verschiedene Wanderführer und die Autoren hinter solchen Werken geben. Die Autorin Eva Krötz ist Autorin der Wanderführer „Bayerischer Wald“ und „Rund um Regensburg“. Für euch hat Sie Insidertipps zu besonderen Orten, schönen Aussichten und Einkehrmöglichkeiten ausgeplaudert.

Steckbrief

Name Eva Krötz
Autorin seit 2006
Gebiete Regensburg, Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald, Altmühltal
Alter 46
Hauptberuf Gartenbauingenieur
Lebt in Regensburg

Warum sollte man zum Wandern in den Bayerischen Wald fahren? Was gefällt dir dort besonders?

Im Nationalpark Bayerischer Wald kann man noch einen richtigen Wald erleben. Man findet neben uralten dicken Baumriesen, alte morsche Bäume, die umfallen dürfen und auf welchen Pilze und Schwämme siedeln und neue Bäume in ihrem Schutz wachsen können. Hier leben noch seltene Tiere und Pflanzen, die man in den Wirtschaftswäldern nicht mehr findet: Luchse, Auerhühner, Birk- oder Rebhühner gibt es noch. Es ist schade, dass der Nationalpark so klein ist. Es gibt immer mehr Wanderer, die diese wunderschöne Natur erleben möchten, deshalb ist er auch einer der Haupttourismusziele im Bayerischen Wald. Wenn es nach mir ginge, könnte das ganze Gebiet Bayerischer Wald, Böhmerwald und Oberpfälzer Wald zum Nationalpark erklärt werden. Es wäre für Mensch, Tier- und Pflanzenwelt wichtig.
Zum Wandern gehört eine schöne Landschaft mit intakter Natur. Man findet sie natürlich auch außerhalb des Nationalparks, aber meist nur in Ecken, wo die großen Forstmaschinen nicht hinauf kommen oder in Gebieten, die schon seit Jahren unter Naturschutz stehen.

Nationalpark Deutschland Bayerischer Wald
Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Eva Krötz)

Wo hat man im Bayerischen Wald die schönste Aussicht?

Von der Aussichtsplattform des ehemaligen Fernmeldeturms auf dem Hohenbogen. Er steht in 1079 m Höhe auf dem Schwarzriegel in einer ehemaligen Militäranlage, die derzeit zum Museum umgebaut wird. Dort gibt es eine tolle 360° Aussicht. Fantastische Aussicht gibt es aber natürlich auch von den vielen Berggipfeln. Besonders gerne mag ich den Lusen mit seinem Blockmeer. Bei dieser Frage könnte ich jetzt fast alle Aussichtsgipfel und Aussichtstürme aufzählen, aber wehe ich vergesse einen…

Natoturm Bayerischer Wald schönste Aussicht
Aussichtsplattform des ehemaligen Fernmeldeturms auf dem Hohenblogen – Bayerischer Wald (Foto: Eva Krötz)

Wo im Bayerischen Wald sollte man unbedingt mal einkehren und was sollte man dort probieren?

Als eingefleischte Vegetarierin möchte ich das Restaurant Utaty in Bayerisch Eisenstein empfehlen. Es ist, soviel ich weiß, das einzige vegetarische (vegane) Restaurant im Bayerischen Wald. Eine besondere Empfehlung kann ich nicht abgeben, da die Gerichte täglich wechseln. Die besten Kuchen gibt es im Café Charlotte in Böhmisch Eisenstein / Železná Ruda. Ich persönlich kehre am liebsten in Restaurants oder Berghütten mit schöner Aussicht ein. Da kann ich noch den Berggasthof Zottling, das Hotel Kapitän Goltz in Altlohberghütte, das Berghaus Hohenbogen oder das Falkensteinschutzhaus empfehlen. Natürlich gibt es da auch noch viel mehr, aber ich kann sie erstens nicht alle aufzählen und zweitens gibt es nicht in allen wenigstens ein gutes (frisches) vegetarisches Gericht.

Was gefällt dir an der Gegend rund um Regensburg? Was war dort die schönste Entdeckung?

Das Besondere an Regensburg ist die Lage. Regensburg liegt zwischen dem Bayerischen Wald im Nordosten, dem sog. Falkensteiner Vorwald, dem fruchtbaren Dungau im Südosten, der Frankenalb im Westen und dem Hopfenland der Hallertau im Südwesten. Hier stößt also das variszische Grundgebirge, das von Graniten und Gneisen dominiert wird, mit dem Unterbayerischen, landwirtschaftlich geprägten Hügelland und dem von hellen Kalk und Dolomit geprägten Jura zusammen. Das Ganze wird von den Flusstälern Donau, Regen, Naab, Laber und Altmühl durchzogen. Besonders gut gefallen mir die kleinen Wege über dem Donaudurchbruch zwischen Kelheim und Weltenburg. Aber fast noch lieber mag ich die Felsformationen im Falkensteiner Vorwald. Leider führen dort oft keine markierten Wanderwege hin und so muss man sich am besten mit GPS-Gerät an die faszinierenden Felsgestalten, Opferschalen und Wackelsteine herantasten.

Wenn man in Regensburg ist und nur einen Tag zum Wandern hat – welche Tour sollte man dann unternehmen?

In diesem Fall würde ich tatsächlich eine Wanderung in Kombination mit einer Schifffahrt durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg empfehlen.

Donaudurchbruch Kloster Weltenburg Wanderung
Donaudurchbruch Kloster Weltenburg (Foto: Eva Krötz)

Was gehört für dich zu einer gelungenen Tour? Was ist dir wichtig, wenn du Touren recherchierst?

Schöne Landschaft mit intakter Natur und naturbelassene Pfade. Für mich spielt die Wegbeschaffenheit eine große Rolle. Beim Wandern will ich in der Natur sein. Es geht nicht um Sport, nicht um Schnelligkeit, Weglänge oder Höhenmeter. Es geht darum, ganz nah dran zu sein und nicht 4 m Straße oder Forstweg um mich herum zu haben. Zudem machen breite, ebene Wege müde und sind langweilig. Eine Stunde über Stock und Stein macht müde Wanderer wieder munter.

Wichtig ist natürlich auch ein Ziel, also ein Berggipfel, eine Burgruine oder ein Schloss, ein Vulkan, eine romantische Flusslandschaft und/oder eine schöne Einkehrmöglichkeit.


Vielen Dank Eva für diesen tollen Einblick. Allen Lesern wünsche ich viel Spaß beim Nachwandern der Wandertouren im Bayerischen Wald und rund um Regensburg. Schreibt uns gerne wieder als Kommentar von euren Wandererlebnissen!

Viele Grüße,
Stephanie und die Teams von enziano und dem Bergverlag Rother

 

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