Hallo liebe Alpinkletterfans,

zur Abwechslung gibt es heute mal eine kleine Geschichte vom Steinerweg am Dachstein in Ramsau. Der hohe Dachstein hat mit der Südwand eine der bekanntesten Kletterwände der Ostalpen. Der Steinerweg durch das zentrale Gemäuer ist bis heute die renommierteste Route durch diese Feldlandschaft.

SteinerwegBeleuchtung
Steinerwegbeleuchtung (c) Tourismusverband Ramsau am Dachstein

Wie alles begann…

Es begann alles mit der Erstbegehung 1909 der Gebrüder Franz und Georg Steiner. Georg, ramsauerisch „Irg“ genannt, der Draufgänger und Franz der etwas Ruhigere. Diese Erstbesteigung konnte damals als Meisterleistung oder Jahrhundertereignis angesehen werden, da sich jeder fragte wie eine Besteigung ohne jegliche Ausrüstung und Aufstieghilfen möglich war.

Franz und Irg waren die Söhne des derzeit berühmten Bergführers Johann Steiner. Johann Steiner bestieg zum ersten Mal die Bischofsmütze, er war ein sehr guter Kletterer. Eines Tages bekam er vom ÖAV den Auftrag, eine Kletterroute durch die Dachstein-Südwand zu finden, jedoch gelang es ihm nie. Die Buben wollten dieses Vorhaben schließlich fortfahren, nachdem ihr Vater verstarb. Doch sie wollten nicht einfach drauf loslegen, sie beobachteten die Südwand jeden Tag. Schon zuvor hatte eine Generation von Bergführern vergeblich versucht eine Durchsteigungsmöglichkeit zu finden. Der frühe Septemberschnee ermöglichte den beiden nun einen Weg, und sie brachen in der frühen Morgendämmerung auf. Nicht viele wussten von ihrem Vorhaben.

Steinerweg 2
Franz und Irg Steiner (c) Tourismusverband Ramsau am Dachstein

Und dann ging´s los

Franz: „In Gottsnam, gemma’s an!“ Bis zum Steinerband gingen die Gebrüder seilfrei. Das einzige Hilfsmittel was sie dabei hatten war ein Hanfseil und einen „Stieglstecken“, ein ca. 2m langer Haselnussstock, mit dem Franz seinen Bruder als Vorsteiger an die Wand drücken soll. Es läuft gut bis zu dem Punkt, als Irg am gefährlichsten Punkt ankommt: Von oben kommt ein schwerer Steinschlag! Doch auch das wussten sie zu überbrücken, Irg reißte schnell seinen Rucksack über den Kopf und Franz drückte ihn mit aller Kraft gegen die Wand. Der Gipfel ist nun nicht mehr weit entfernt.

Ihr älterer Bruder Hans, der ebenfalls Bergführer war beobachtete das ganze Geschehen mit einem Fernrohr. Da es zur damaligen Zeit noch keine Bergrettung gab, sagte er nur zu seinen Brüdern „Helfen kann ich euch nicht, aber einen Gnadenschuss kann ich euch geben!“ Nachdem Franz und Irg aus dem Schlimmsten heraus waren, stellten sie ihren Stock mit Taschentüchern auf, um ihrem Bruder ein Zeichen zu geben.

Vom Gipfel des Dachsteins schauten Dachstein-Pfarrer Pilz und der Bergführerreferent der Steiermark, Franko Vasold, in die Tiefe „Da kemman wohl zwei Teufln auffa!“. Und schon tauchten die Steinerbuben auf. Die Freude war riesengroß! Um 10 Uhr morgens, nach 4 Stunden hatten sie endlich den Gipfel erreicht.

Auf der Heimfahrt schickte Franz ein Telegram an die ÖAV Sektion Austria, welches in Wien großes Aufsehen erregte, da keiner von ihrem Vorhaben Bescheid wusste: “ Trotzige Dachstein Südwand gebändigt, Franz und Georg Steiner.“

Franz und Irg Steiner

Irg Steiner geboren am 25. 2. 1888 in Ramsau Rössing, gestorben am 20. 10. 1972 in Gosau. Um Irg Steiner rankten sich viele Anekdoten und Geschichten. Zahlreiche davon ließen das Klischee vom urigen Kraftackl entstehen, der tagsüber die Berge und nächtens die Sennerinnen besteigt. Er war ein Freigeist, die Arbeit interessierte ihn weniger. Irg war Kletterer, Bergführer, Bergretter, Wilderer, Abenteurer, Erfinder und ein Naturbursch. Auch noch mit 50 Jahren gelangen ihm aufsehenerregende Routen wie z.B der Südwandtrichter der großen Bischofsmütze, eine Route die im Inneren des Berges durch Schlüfe, Kamine und Eisgrotten in die Höhe führt. Er war ein Erfinder, als begeisterter Skiläufer experimentierte er an einer Aufstiegshilfe, die beim Ansteigen Halt gaben, in der Talfahrt aber nicht störten. Der Schuppenbelag von Langlaufskiern ist heute die moderne Version einer seiner Erfindungen, welche nie ein Patentamt beschäftigte.

Franz Steiner geboren am 29. 9. 1884 in Ramsau Rössing, gestorben am 29. 3. 1965 in Mandling. Franz war mehr mehr für die Lodenwalke in Rössing zu begeistern, als sein jüngerer Bruder. Als gelernter Lodenwalker (Anmerkung: Loden ist ein gewalkter Stoff, Walkstoffe bei Wikipedia) zog er bereits 1910 von Ramsau nach Mandling. Dort übernahm er von seiner Tante die 1888 gegründete „alte Lodenstampfe“. In Mandling begegnete Franz Steiner seiner Frau Maria, einer gebürtigen Lungauerin, die ihm fünf Kinder schenkte. Er baute die Lodenwalke in Mandling zu einem florierenden Betrieb aus und stieg sogar zum Kommerzialrat auf. In seiner Freizeit widmete er sich der Volksmusik. Franz liebte das Jodeln und Singen, spielte Ziehharmonika und Gitarre.

Am meisten verband die beiden Brüder ihre Leidenschaft – das Bergsteigen.

Liebe Grüße,
Franzi und euer enziano – Team

PS: Wer die Alpinkletterroute Steinerweg mal nachklettern möchte, findet sie hier auf enziano: Steinerweg am Hohen Dachstein

 

Recherchequellen:
– Historisches Alpenarchiv: PDF zu Franz und Irg Steiner
– Tourismusverband Ramsau am Dachstein: Portrait Steiner Franz und Irg und 100 Jahre Steinerweg Erstbegehung

 

2 KOMMENTARE

  1. Oh cool, dass ich das entdeckt habe. Ich verkaufe schon von Anfang an Wollsocken und Decken von Steiner in meinem Shop, weil ich die Produkte von denen selbst so liebe. Es gibt auch eine Decke, die Irg heißt und ich habe mich immer gefragt, wieso. Jetzt weiß ich es endlich. Danke!
    Ich glaub, jetzt muss ich bald noch einmal in die Gegend, um mir vor Ort noch einmal alles genauer anzuschauen.

    • Ach das ist ja cool! ;-) Finde es auch immer total schön, wenn man mit einem Ort dann solch eine Geschichte verknüpft, dann erlebt man es vor Ort nochmal ganz anders!
      Liebe Grüße,
      Stephie

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