Seit kurzem darf ich mich Teilnehmerin eines Yoga-Kurses nennen. Ich muss sagen, Yoga gefällt mir richtig gut. Daher möchte ich heute mal das Thema „Yoga und Klettern“ beleuchten und der Frage auf den Grund gehen, ob Yoga etwas fürs Klettertraining bringt.

Ob Yoga für Sportler, für Senioren, für Schwangere, für Kinder oder für spirituelle Menschen die sich mit der richtigen Atmung in einen meditativen Zustand versetzen möchten. Yoga ist ein weitreichender Begriff geworden, der sich in allen möglichen Gesellschaftsschichten etabliert hat und an zunehmender Beliebtheit gewinnt. Am meisten verbreitet ist er unter den Menschen, welche nach Ausgeglichenheit in einem stressigen Alltag suchen. Nun wird der neue Trendsport auch immer beliebter in der Kletterszene.

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„Der Baum“ – Aussicht genießen und runterkommen

Yoga und Klettern

Manch einer fragt sich nun vielleicht, was Yoga mit Klettern gemeinsam haben mag. Yoga kann für Kletterer eine tolle Ergänzung sein und weitaus mehr bieten als Meditation. Yoga stärkt, entspannt und verbessert die Körperspannung und Körperkoordination. Die Yoga Übungen (Asanas) kann man vor dem Klettern, zwischendrin oder nachher durchführen.

Also zum Aufwärmen und als Konzentrationshilfe bevor du in die Route einsteigst, zum Lockern oder Fokussieren für zwischendurch oder zum Dehnen der Muskeln am Abend nach einem Klettertag. Wer Yoga als Zusatz zum Boulder- und Klettertraining für Kraft und Koordination anwendet, wird schnell Fortschritte in seiner Klettertechnik bemerken. Probiert es aus!

[Diese Yoga-Übungen sind  übrigens auch im enziano-Guide zum Thema Krafttraining für Kletterer und Boulderer erwähnt: Der Ultimative Guide: 10x mehr Kraft beim Klettern und Bouldern]

Für alle die Yoga ausprobieren möchten, geht es direkt los, mit der Yoga-Übung „Das Dreieck“. Die Übung stellt euch Stefanie vor, die Gründerin von Climbingflex, der online Yoga-Trainingsplattform extra für Kletterer.

Das Dreieck ist für Kletterer eine Yoga-Übung, die als sanfte Streckung sehr gut vor dem Klettern passt. Was bringt’s genau?

  • Streckt den Rücken und die Körpervorderseite vor dem Klettern
  • Öffnet den Brustkorb für weite Züge beim Klettern
  • Stärkt die Beine
  • Gibt innere Balance
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Das Dreieck (Foto: Stefanie Fischer, climbingflex)
  1. Kommt für das Dreieck auf der linken Seite in einen kleinen Ausfallschritt. Das linke Bein und der linke Fuß sind gerade ausgerichtet. Das hintere Bein ist leicht eingedreht. Die hintere Fußaußenkante hat ebenfalls festen Bodenkontakt. Die Beine sind gestreckt, aber nicht überstreckt.
  2. Gebt die linke Hand auf das Schienbein, auf den Boden oder auf einen Block als Hilfsmittel. Achtung: Die Hand trägt wenig Gewicht, die Hauptarbeit leisten die Beine und der Rumpf.
  3. Dreht euch nach rechts auf und streckt den rechten Arm nach oben. Wenn sich das für eure Schulter nicht gut anfühlt oder wenn der Arm nicht gerade nach oben kommt, gebt die rechte Hand lieber an die rechte Hüfte. Der Effekt ist fast gleich, die Schulter kann sich in dieser Variante aber mehr entspannen.
  4. Der Blick geht nach oben zur Hand, oder für strapazierte Kletterer-Nacken nach unten oder zur Seite in Verlängerung der Wirbelsäule.
  5. Atmet entspannt weiter ein und aus, haltet die Position drei bis fünf Atemzüge (mit Übung auch länger), wechselt dann die Seite.

Wer das Dreieck bereits erfolgreich geübt hat, findet hier im Blog von Bergzeit auch noch 10 weiter Übungen für eine bessere Kletterperformance. Vielleicht ist da ja noch etwas passendes dabei!

Yoga, um auch geistig locker zu bleiben

Beim Klettern gerät man manchmal in Stresssituationen, weiß nicht, wie man eine Schlüsselstelle lösen kann oder blickt von unten immer wieder auf das gleiche Boulderproblem ;-) Die verschiedenen Atemtechniken helfen bei Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren und die Situation besser zu meistern, zu entspannen und tief durchzuatmen, um die Herausforderung anzunehmen, oder auch Angst zu überwinden.

Wer von Atemtechniken gar nichts hält, der kann Yoga auch zur Entspannung oder Fokussierung nutzen. Einfach mal zum Beispiel in der Übung „Der Baum“ oder „Der Tänzer“ an einem Aussichtspunkt stehen und die Fernsicht genießen.

Achtsamkeit ist geboten

Yoga ist kein Hochleistungssport. Will man jetzt sofort die schwierigsten Positionen ausprobieren, so kann man sich ordentlich Schmerzen oder Zerrungen zufügen und erreicht anstatt Flexibilität eher das Gegenteil. Kletterer, die es gewohnt sind mit viel Dynamik zu trainieren, sollten erst mal einen Gang runterschalten. Es ist ratsam als Anfänger am besten mit einfachen Übungen zu beginnen, die eigenen Grenzen zu erkennen und nicht zu überschreiten. Es hilft Tutorials anzuschauen oder einen Yoga-Kurs zu machen. Und lasst euch auch mal von jemand Außenstehenden oder bereits Yoga-Erfahrenen sagen, ob die Übung so richtig ausgeführt ist.

 

Welche Erfahrungen macht ihr mit Yoga? Falls ihr bisher noch keine gemacht habt, wie fandet ihr die Übung „Das Dreieck“?

 

4 Kommentare

  1. Finde ich gut, dass du das Thema Achtsamkeit ansprichst. Gerade als Kletterer, aber auch generell als Sportler ist es wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern. Nur weil eine Yoga-Haltung etwas intensiver ausgeführt wird, ist sie nicht besser. Auch eine angepasste Yoga-Haltung hat ihren Nutzen. Viel Spaß im Yoga!

  2. Hey Stephanie,
    toll, dass du Yoga als Ergänzung zum Klettern entdeckt hast und das hier auch so vorstellst. Ich mache schon länger Yoga und bin relativ neu beim Klettern und Bouldern dabei. Durch deinen Artikel habe ich ein paar wertvolle Tipps bekommen, wie ich beides besser miteinander verbinden kann. Vielen Dank dafür! Die nächste Klettersession wird vom Dreieck eingeleitet und mit ein paar Sonnengrüßen abgerundet, soviel steht schonmal fest…
    Viele Grüße, Katja

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