In Südtirol gibt es eine Vielzahl an sog. Waalwegen, von denen ich bis kurz vor meinem letzten Wanderurlaub in diese wunderschöne Gegend allerdings noch nie gehört hatte. Falls es euch jetzt genauso geht, hier in aller Kürze ein wenig Waalweg-Wissen und weiter unten meine Erfahrungsberichte zum Brandiswaalweg und zum Marlinger Waalweg.

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Was ist ein Waal bzw. ein Waalweg überhaupt?

Ein Waal ist ein jahrhundertealter, künstlich angelegter Wasserkanal. Er versorgte Menschen und Tiere mit Wasser und diente bzw. dient der Bewässerung von Wiesen und Äckern. Die Wasserkanäle sind charakteristisch vor allem für den Vinschgau und den Meraner Raum.

Warum waren die Waale so wichtig für Südtirol? Das liegt an dem mediterranen und somit recht trockenen Klima, für das die meisten Besucher Südtirol so lieben. Für die Bauern war und ist dieses Klima natürlich eine Herausforderung.

Entlang der Waale verlaufen die sog. Waalwege, die damals benutzt wurden – von den sog. Waalern – um die Wasserwege zu kontrollieren.

Heute sind die Waalwege beliebte Wander- oder Spazierwege in Südtirol.

Welche Waalwege gibt es bzw. was sind die bekanntesten Waalwege in Südtirol?

Bei der Recherche für leichte Wanderungen in Südtirol, denn wir waren mit Baby unterwegs und wollten es mit dem Wandern zu dritt zunächst gemütlich angehen lassen, bin ich zum ersten Mal auf die sog. Waalwege gestoßen. Die genaue Anzahl kann ich euch gar nicht benennen – es werden so um die 15 Wege sein.

Zu den bekanntesten Waalwegen zählen sicherlich die folgenden vier. Wobei die Bekanntheit mein persönliches Empfinden ist und ich hoffe, die anderen Waalwege nehmen mir diese Selektion nicht übel.

  • Der Marlinger Waalweg: Dieser Waalweg verspricht einen grandiosen Blick auf das Meraner Becken.
  • Der Algunder Waalweg: Dieser Waalweg verläuft oberhalb von Algund Richtung Meran und kann in rund zwei Stunden zurückgelegt werden.
  • Der Schenner Waalweg: Die Wanderung auf diesem Waalweg führt euch durch Mischwälder und Obstwiesen von Verding bis ins Naiftal.
  • Der Partschinser Waalweg: Hier wandert ihr entlang des Bewässerungskanals durch den Partschinser Laubwald.

Ganz viel Waalweg-Infos könnt ihr auf der Seite des Südtiroler Tourismusverbandes nachlesen.

Was macht die Waalwege in Südtirol zum Wandern so besonders?

Die Pfade entlang der alten Südtiroler Wasserläufe sind heute beliebte Wander- und Spazierwege bei Jung und Alt. Was macht die Waalwege zum Wandern so besonders?

  • Die Wege sind einfach zu bewandern und es muss kaum eine Steigung bewältigt werden. Deswegen eignen sie sich perfekt für Wanderanfänger, für Wanderungen mit Kindern und auch für die etwas älteren Semester unter den Wanderern sind die Pfade gut geeignet.

    Meiner Meinung nach kann sich allerdings auch ein ambitionierter Bergsteiger auf einem Waalweg wohlfühlen. Ein leichter Spaziergang mitten durch die wunderschöne Südtiroler Natur um die Füße und Beine ein wenig auszuruhen bevor der nächste Gipfel erklommen wird, kann sehr guttun.

Hier könnt ihr euch alle Wanderrouten in Südtirol rund um Bozen und Kaltern auf dem enziano Portal anschauen bzw. freischalten lassen:

Wanderführer Bozen Kaltern

  • Viele Besucher lieben Südtirol natürlich auch wegen des kulinarischen Angebots. Einkehrmöglichkeiten gibt es auf den Waalwegen genügend. Natur, Bewegung und Kulinarik lassen sich hier wunderbar verbinden.

  • Die Waalwege in Südtirol können das ganze Jahr über begangen werden. Am Schönsten finde ich übrigens das Frühjahr und den Herbst, um auf den Waalen zu wandeln, denn dann findet ihr hier die besten Wander-Temperaturen. Ich selbst war auch schon Ende Juli dort und dann ist es schon ziemlich warm. Zum Glück war die nächste kühle Erfrischung nie weit.

  • Die Waalwege haben eine gute Infrastruktur. Da es sich häufig nicht um Rundwanderwege handelt, könnt ihr das Auto am Beginn der Wanderung abstellen und am Ende wieder mit dem Bus zurückfahren. Außerdem stehen am Wegesrand immer wieder Infotafeln, die euch über Sehens- und Wissenswertes informieren.
  • Das beste an den Waalwegen sind meiner Meinung nach die fantastischen Ausblicke auf das Südtiroler Bergpanorama. Ihr müsst nicht immer hoch hinaus, um die Berge zu genießen, wie man an den Waalwegen perfekt sehen kann.

Erfahrungsbericht: Meine Wanderung auf dem Brandiswaalweg

Der Brandiswaalweg ist ein Waalweg ohne Waal. Wie das? Der Waal wurde hier mittlerweile in Rohre verlegt. Das Gute daran: Der Weg ist breiter als die üblichen Waalwege und deswegen z.B. sehr gut mit dem Kinderwagen befahrbar und auch größere Wandergruppen finden hier genügend Platz, um nebeneinander wandern zu können.

Wir starten unsere Wanderung auf dem Brandiswaalweg in Niederlana. Hier beginnt der Weg kurz unterhalb des Golfplatzes. Eine Beschilderung ist vorhanden. Ansonsten einfach nach dem Weg zum Restaurant Waalrast Ausschau halten. Ein kurzer, steiler Aufstieg zum Restaurant (die einzige Steigung auf dem gesamten Abschnitt) und ihr habt einen grandiosen Blick ins Etschtal.

Von hier spazieren wir in Richtung Oberlana. Es geht durch Obst- und Weingüter. Der größte Teil des Wegabschnitts führt uns allerdings durch Laubholz und ist somit schön schattig gehalten. Perfekt für eine Wanderung in den Sommermonaten und mit unserem Nachwuchs.

Am Ende des Waalweges (nach ca. drei Kilometern), entscheiden wir uns, in das Zentrum von Lana zu laufen. Dafür müssen wir ein kurzes Stück an der Straße entlanggehen, bevor die Fußgängerzone anfängt. Neben dem Rathaus gibt es eine öffentliche Toilette (sehr praktisch) und ein paar Meter weiter die Möglichkeit ein Eis zu essen. Nachdem wir somit alle dringenden Bedürfnisse (Klo und Eis) stillen konnten, geht es auf gleichem Weg zurück nach Niederlana.

Diesmal allerdings am Restaurant Waalrast vorbei und weiter zur sog. „Brandis-Gaul“, wie die Schlucht heißt, an deren Ende ein Wasserfall auf uns wartet. Ende Juli der perfekte Ort, um ein wenig länger zu verweilen.

Mein Fazit zum Brandiswaalweg:  Eine sehr einfache Wanderung bzw. ein längerer Spaziergang, der z.B. sehr gut mit Kinderwagen machbar ist. Die schönen Ausblicke, schattigen Wegabschnitte, das Restaurant Waalrast und das kühle Klima unterhalb des Wasserfalls lassen die sechs Kilometer lange Wanderung schnell länger erscheinen. Zumindest wir haben uns unendlich viel Zeit gelassen und die Natur in vollen Zügen genossen.

  • Ausgangspunkt: Gampenstraße in Lana (bei Parkplatz P4) oder ihr startet in Niederlana.
  • Länge: ca. 3,4 km
  • Gehzeit: 1 Std. pro Richtung
  • Familientauglich? Ja, auch mit Kinderwagen befahrbar!

Erfahrungsbericht: Meine Wanderung auf dem Marlinger Waalweg

Der Marlinger Waalweg verläuft von Töll bis nach Lana uns ist insgesamt 12 Kilometer lang. Da unsere Unterkunft in Lana liegt, starten wir unsere heutige Wanderung von dort.

Womit wir nicht gerechnet haben: Vom Parkplatz in Lana bis zum Beginn des eigentlichen Waalweges müssen wir ein paar Höhenmeter (schätzungsweise so 150) zurücklegen. Es geht steil bergauf, an einer Straße entlang. Ende Juli ist das kein Spaß und wir haben auch noch einen Kinderwagen dabei. „Oben“ angekommen sind wir völlig durchgeschwitzt und müssen feststellen, dass der Weg nicht kinderwagentauglich ist. Der Weg ist einfach zu schmal. Eventuell ließe sich der Kinderwagen zwar schon mitnehmen, es darf einem auf den engen Stellen dann eben keiner entgegenkommen.

Kurzerhand lassen wir den Kinderwagen stehen. Mit einem Schloss wird er notdürftig am Zaun befestigt. Klauen wäre zwar ein Kinderspiel, wir vertrauen aber einfach darauf, dass die vorbeikommenden Wanderer gerade keinen Kinderwagen gebrauchen können.

Der Marlinger Waalweg hat uns sofort begeistert. Wir genießen fantastische Ausblicke in das Etschtal und das Meraner Tal.

Wir umrunden Schloss Lebenberg und laufen über Holzbrücken an Felswänden entlang. Überall um uns herum grünt und wächst es: Wiesen, Reben und Obstgärten mit reichlich Obst an den Bäumen. Neben uns der gurgelnde Waal und im Hintergrund ein fantastisches Bergpanorama.

 

Wir laufen auf dem Waalweg bis oberhalb der Ortschaft Tscherms. Uns ist warm. So schön der Waalweg auch ist, so wenig Schatten bietet er. Und wir haben auch noch ein Baby in der Trage dabei, dem auch ziemlich warm ist. Da wir sowieso nicht vorhatten, bis nach Töll zu wandern, beschließen wir, hier umzukehren bzw. einen Stopp im Gasthaus Leitenschenke einzulegen. Was wir da machen? Richtig: Ein Eis essen. Und nicht nur eine Kugel, sondern gleich einen ganzen Eisbecher. Das ganze mit herrlicher Aussicht. Es könnte uns nicht besser gehen.

Nach dieser Stärkung treten wir den Rückweg an. Unterwegs bekommen wir eine unfreiwillige Abkühlung. Die Obstbauern haben ihre Bewässerungsanlagen angeschalten. Nun gut. Augen zu und durch. Zum Glück waren es nur ein paar Spritzer, sodass Kamera und Co. unversehrt geblieben sind.

Unser Kinderwagen stand bei Rückkehr ebenfalls noch am Zaun. Wanderer sind eben ein ehrliches Völkchen.

Mein Fazit zum Marlinger Waalweg: Der Marlinger Waalweg ist sehr abwechslungsreich und hat uns mit seinen Aussichten überzeugt und beeindruckt. Mit seinen 12 Kilometern und den Engstellen entlang von Felswänden fällt er schon eher in die Kategorie Wanderweg und ist sicherlich mehr als ein leichter Spaziergang.

  • Ausgangspunkt: Töll (Zugang zum Waalweg auch über Marling, Tscherms und Lana möglich)
  • Wegweiser: Marlinger Waalweg
  • Höhenunterschied: ca. 170 m
  • Länge: 12 km
  • Gehzeit: ca. 3 Stunden
  • Familientauglich? Ja (Vorsicht Wasser und Engstellen!)

Mein Fazit zu den Waalwege in Südtirol

Südtirol hat für Wanderer unendlich viele Möglichkeiten zu bieten. Die Pfade entlang der alten Wasserläufe sind eine gute Alternative zu Touren hoch oben in den Dolomiten. Für Wanderanfänger und für alle, die es auch gerne einmal gemütlicher mögen die perfekten Wege.

Wart ihr schon einmal auf einem der Südtiroler Waalwege wandern? Welcher Waalweg hat euch besonders gut gefallen? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

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